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Autor: Stadt Wildberg - Hauptamt
Artikel vom 28.05.2020

Ehrenbürger feiert Gnadenhochzeit

Ehepaar Schultheiß (Foto Götz Schultheiß)
Ehepaar Schultheiß (Foto Götz Schultheiß)

Der 25. Mai war gleich ein doppelter Feiertag für Walter Schultheiß und seine Frau Trudel Wulle. Zum einen war es ihr Hochzeitstag, der 70. dieses Jahr, zum anderen wurde der Schauspieler, Autor, Maler und Wildberger Ehrenbürger an diesem Tag 96 Jahre alt.

Hochzeitstag und gleichzeitig Geburtstag: Wie kommt man auf die Idee, an seinem Geburtstag zu heiraten?

Schultheiß: Das ist mein Geburtstagsgeschenk gewesen. Und damit ich das Datum künftig nicht vergesse, ist das ganz gut so.

Wulle (lacht): So gab es deswegen noch nie Streit.

Wie haben Sie sich kennengelernt?

Schultheiß: Wir waren damals beim Volkstheater in einem Kino.

Wulle: Das war 1947.

Schultheiß: Immer nach dem letzten Film konnte man eine Vorstellung machen und da habe ich meine Frau kennengelernt.

Wulle: Ich ging nach Köln, um mich weiterzubilden. Dann sagte mein Onkel in Bad Cannstatt: Köln ist so weit, bei uns kann man auch Theater spielen, du kommst wieder zurück zu uns. Das habe ich gemacht, habe vorgesprochen, bin gleich engagiert worden und habe dann meinen Mann das erste Mal gesehen. Damals war er sehr schmal, hatte chronische Schmerzen von seinem Bauchschuss. Ich habe ihn nur hinter der Bühne gesehen, gekrümmt vor Schmerzen – und dann sein Auftritt: da war er  schmerzfrei und toll.

Wie schafft man es, eine Ehe 70 Jahre am Leben zu halten?

Schultheiß (lacht): Und das immer mit derselben, ist gar nicht mehr modern. Man muss die Mucken des anderen ertragen, man muss tolerant sein.

Wulle: Liebe ist Voraussetzung, aber das alleine genügt nicht. Da muss Verständnis für den Partner sein, man muss immer bereit sein, um zu helfen, egal in welcher Lebenslage und so haben wir es gegenseitig gehalten. Ich konnte mich immer auf meinen Mann verlassen, egal wo er gespielt hat. Er hat immer abends angerufen, mir erzählt, wie der Tag gelaufen ist und mir eine gute Nacht gewünscht. Und da gab es nie Probleme, auch nie mit Eifersucht.

In so vielen Jahrzehnten gab es sicher Höhen und Tiefen?

Wulle: Ja, natürlich.

Schultheiß: Wir haben vieles überstehen müssen, Kriegszeiten zum Beispiel.

Wulle: Und da ist man hart geworden, diszipliniert hat uns die Zeit gemacht damals.

Schultheiß: Nach dem Krieg gab es ja nichts zu essen zuerst. Da ist meine Frau noch auf dem Wochenmarkt umhergegangen und hat geschaut, wo der Salat zwei Pfennig billiger war. Jetzt hoffen wir, dass wir Corona auch noch überleben. Wir dürfen ja das Haus nicht verlassen gerade, das ist als Angehöriger der Risikogruppe sinnvoll.

Aufgrund der Corona-Pandemie war es vermutlich auch nicht möglich, diesen großen Festtag gebührend zu feiern?

Schultheiß: Ja, das geht ja gar nicht. Man macht das im engsten Kreis.

Wulle: Und die Freunde, mit denen man immer gefeiert hat, die verstehen das auch.

Werden Sie die Feier nachholen?

Schultheiß: Wir sind nicht so große Feierer. Nur wenn so ein wichtiger Termin war. Und wer weiß, wie lange die Viren noch zugange sind.

Normaler Weise bekommen Sie als Ehrenbürger der Stadt ja Besuch vom Bürgermeister…

Schultheiß: Jawohl, bekommen wir auch noch. Da freuen wir uns. Er hat sich angemeldet. Wenn das Wetter besser ist, sitzen wir auf die Terrasse – mit Abstand. Dann reden wir durch die Maske.

Über 70 Jahre waren Sie als Schauspieler tätig, Ihre letzte Rolle ist erst etwa ein Jahr her. Danach wollten Sie sich aus dem Geschäft zurückziehen. Ist es bei dieser Entscheidung geblieben?

Wulle: Meinem Mann fehlt es sehr, aber er will es nicht mehr, weil er sagt, die Kraft hat er nicht mehr. Aber so ist des Lebens Lauf.

Schultheiß: Ja, wir haben uns von der Karriere zurückgezogen. Die vermisst man schon, die Bühne. Ich war ja lange zugange in Stuttgart, hauptsächlich in der Komödie, bin auch Ehrenmitglied der Schauspielbühne in Stuttgart. Aber jetzt müssen halt die Jüngeren mal ran.

Das telefonische Interview führte das Pressebüro Schiel.