Stadt Wildberg

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Geschichte & Wappen

Im Detail

Am 1. Januar 1975 ist das alte Städtchen Wildberg mit den drei umliegenden Dörfern Effringen, Gültlingen und Sulz am Eck zu der neuen Stadt Wildberg vereinigt worden, nachdem schon Schönbronn am 1. April 1971 in das ehemalige Wildberg eingegliedert wurde. Die neue Einheitsgemeinde, welche gleichzeitig einen selbständigen Verwaltungsraum bildet, entspricht einem Teil des alten Wildberger Amts, von dem nachstehend noch die Rede sein wird. Wildberg ist ein Luftkurort am Ostrand des nördlichen Schwarzwalds. Die Kernstadt steht auf einem Buntsandsteinrücken, der von der Nagold umflossen wird. Die Stadtteile Effringen und Schönbronn liegen westlich davon auf der Hochfläche des oberen Buntsandsteins, die Stadtteile Gültlingen und Sulz am Eck ostwärts in zwei in den Muschelkalk eingeschnittenen Seitentälern der Nagold.

Alte Schafscheuer

Die Buntsandsteinschichten des Schwarzwaldes fallen nach Osten ein und werden jenseits der Nagold vom Muschelkalk überlagert. Die Muschelkalkstufe bildet die Höhen östlich der Nagold (Wächtersberg, Kühlenberg). Der Kalkboden ist fruchtbar, während der Buntsandsteinboden des Schwarzwaldes weniger ertragreich ist. Er ist vorwiegend mit Wald bedeckt. Vorgeschichtliche Funde (Pfeilspitzen, Bohrer, Schaber u.a. aus Feuerstein) auf dem Wächtersberg beweisen, daß schon in der mittleren Steinzeit (6000 Jahre v. Chr.) Jäger in unserer Gegend lebten. Aus der Jungsteinzeit (2000 Jahre v. Chr.) wurden Lagerplätze auf dem Kühlenberg, bei den Kengelhöfen, bei Gültlingen (Steinbeil, Spinnwirtel aus Ton) und bei Sulz (Pfeilspitze) festgestellt.Auch aus keltischer und römischer Zeit zeigen sich Spuren in unserem Gebiet. Bei Gültlingen stand ein römischer Gutshof.

Klosteranlage

Seit dem 4. Jahrhundert siedeln die Alemannen im fruchtbaren Muschelkalk in Gültlingen und Sulz, aber auch in Effringen mit seinen Kalkresten über dem Sandstein. Die reichen Gräberfunde in Gültlingen aus der Alemannenzeit mit Goldhelm, Prachtschwert und Schmuckstücken zeigen, daß hier im 5. Jahrhundert ein politisches Zentrum Alemanniens war, das damals fast genau das Gebiet des heutigen Baden-Württembergs umfaßte.In der Frankenzeit gehörten die drei alten Orte Effringen, Gültlingen und Sulz zum Nagoldgau. Dieser kam zum wiedergegründeten alemannischen Herzogtum, das den alten Namen Schwaben erhielt.Die Gaugrafen von Nagold verlegten im 11. Jahrhundert ihren Sitz nach Tübingen und waren dort Pfalzgrafen. Etwa um 1200 bauten sie auf dem "wilden Berg" in der Nagoldschleife eine Burg, die sie mit einem Dienstmann besetzten.

Schlossruine

1237, in der Zeit des Staufenkaisers Friedrich II.,wird erstmals ein Schenk von Wildberg urkundlich genannt. Um diese Zeit ging Wildberg mit den umliegenden Ortschaften, Nagold und zahlreichen anderen Orten als Heiratsgut von den Tübinger Pfalzgrafen an den Grafen Burkhard III. von Hohenberg. Die Hohenberger sind ein Zweig der Zollern. Die Tochter dieses Burkhard III. ist die Gemahlin Rudolfs von Habsburg, die Stammutter der Habsburger. 1318 nahm Burkhard V. seinen Sitz in Wildberg, zu dem die umliegenden Orte gehörten, einschließlich Altensteig und Neubulach.

Stadtmauer

1364 wurden die Orte kurpfälzisch und 1440 württembergisch. Die Stadt Wildberg war für diesen Bereich als sogenanntes Amt bis 1807 Verwaltungssitz. Von da an gehörte sie zum seinerzeit neugebildeten Oberamt Nagold. Die Burg wurde in der Stauferzeit erbaut, 1618 durch Blitzschlag eingeäschert und erst 70 Jahre später wieder als Schloß, als Amtssitz des Vogts, aufgebaut. Am 22. Februar 1945 fiel es einem Fliegerangriff zum Opfer. Seitdem stehen nur noch die denkmalgeschützten Grundmauern. Von der Stadtmauer sind heute noch Reste zu sehen, nämlich von der alten Brücke nagoldaufwärts (sogar Teile des Wehrgangs stehen noch beim Ferienheim), zwischen Gemeindezentrum und Altenheim bis zur Burgruine und vom Torturm neben der Schule bis zur neuen Straße beim Gasthaus "Talblick". In diesem Teil der Stadtmauer ist auch noch der sogenannte Hexenturm erhalten. Er deutet auf die mittelalterlichen Hexenprozesse hin, die auch in Wildberg stattfanden. Der Richtplatz war auf der Au, wo heute die Tankstelle nach der neuen Brücke steht. Vom Galgen sind heute noch drei Steinsockel erhalten. Sie stehen auf der alten Stelle auf dem Galgenberg.

Klosteranlage

Hirschbrücke

Steinbrücke

Die Steinbrücke über die Nagold steht unter Denkmalschutz. Sie hat seit Menschengedenken allen Hochwassern standgehalten, auch dem im Dezember 1947, als die Nagold so angeschwollen war, daß das Wasser über die Brüstung schwappte. Danach wurde die Nagold ausgebaggert und begradigt. Auf der Brücke verlaufen noch der Brüstung entlang auf beiden Seiten steinerne Bänke, auch in den Ausbuchtungen über dem Mittelpfeiler. Im Mittelalter war das der Versammlungsort; auch Gerichtsverhandlungen wurden hier abgehalten, bis man um 1500 das Gericht ins Rathaus verlegte.

Rathaus & Marktbrunnen

Rathaus

Das Rathaus wurde 1480 fertig erbaut. Es war ursprünglich ein schöner Fachwerkbau, der leider durch länger zurückliegende Umbauten verunstaltet wurde. Eine Wiederherstellung der Fassade ist nicht möglich. Am Torbogen der früheren Straßenunterführung ist das Stadtwappen angebracht. Das Rathaus wurde bei dem Fliegerangriff am 22. Februar 1945 nicht in Mitleidenschaft gezogen, obwohl die meisten Häuser entlang der Kirchstraße (heute Gartenstraße) zerstört wurden. Auch der Marktbrunnen mit dem Wappenträger blieb verschont. Er hält das alte württembergische Wappen. Es zeigt die drei Hirschstangen von Württemberg, die Rauten von der Teck, die Fische von Mömpelgard (heute Montbéliard südlich von Belfort) und die Reichssturmfahne. Auf der Brunnensäule steht die Jahreszahl 1553.

Kirche, Dominikanerinnenkloster Maria-Reuthin, Museum

Kirche

Die Kirche, seit der Reformation evangelisch, stammt mit dem romanischen Unterbau des Turmes aus der Zeit der Stadtgründung. Sie ist nach dem Stadtbrand von 1464 neu erbaut worden. Ein Pfeiler des spätgotischen Chores trägt die Jahreszahl MCCCLXVII (1467). Nach dem Stich von Merian war sie eine dreischiffige Basilika, wurde aber 1772 zu einer Hallenkirche umgebaut. Nur der Chor und der Turm blieben erhalten.

Das frühere Dominikanerinnenkloster Maria-Reuthin am rechten Nagoldufer war die Grablege des mächtigen Hohenberger Geschlechts und hatte eine eigene Vogtei mit umfangreichem Besitz. Der Fruchtkasten, das Meiereigebäude und die ganze Klostermauer sind erhalten. Das Klostergebäude samt Kirche brannte 1824 ab. An seiner Stelle wurde ein Fachwerkbau errichtet, in dem zunächst das Forstamt und im Jahr 1974 das Landwirtschaftsamt untergebracht wurde. Das Gelände innerhalb der Klostermauer ist zum Großteil Kurpark. Im Fruchtkasten der Klosteranlage befindet sich heute das Museum Wildberg.

Effringen

Effringen

Effringen wurde urkundlich erstmals im Jahre 1005 erwähnt. Begütert war hier das damals schwäbische Kloster Stein am Rhein, das seinen Meierhof samt der Kirche und der Filialkirche Neubulach 1379 an die Familie Grückler verkaufte. Die sehr gut renovierte Kirche mit ihren Fresken und alten Grabplatten (Grückler) gilt als Sehenswürdigkeit.

Schönbronn

Schönbronn

Der Erholungsort Schönbronn ist eine mittelalterliche Siedlung auf gerodetem Waldboden und 1277 erstmals erwähnt. Das Dorf zeichnet sich durch seine ruhige, nebelfreie Hochlage zwischen freier Feldflur und ausgedehnten Wäldern aus. Durch den Buhlerwald führt der Ostweg Pforzheim-Schaffhausen des Schwarzwaldvereins. Schönbronn ist als Erholungsort staatlich anerkannt.

Gültlingen

Gültlingen

Gültlingen, das alte, durch seine Gräberfunde bekannte Alemannendorf, war Adelssitz der Herren von Gültlingen, die erstmals Mitte des 12. Jahrhunderts erwähnt wurden. Nachdem im 15. Jahrhundert Gültlingen mit Wildberg württembergisch wurde, übernahmen die Freiherren von Gültlingen politische Funktionen als württembergische Erbkämmerer und Vögte zu Wildberg und Nagold. Die sehenswerte Kirche mit Wehrmauer und Kirchdorf wurde 1465 erbaut. Das alte Dorfbild ist noch weitgehend gewahrt. Die nächste Umgebung, insbesondere der "Kapf", hat den Heidencharakter des Hecken- und Schlehengäus und ist Erholungsgebiet.

Sulz am Eck

Sulz am Eck

Auch Sulz am Eck ist durch seine Ortsgeschichte eng mit Wildberg verbunden. 1285 kaufte das Kloster Reuthin von den Hohenbergern einen Herrenhof und hatte das Patronat über die Sulzer Kirche, die in ihrer Anlage aus der fränkischen Zeit stammt. Die Kirche in Sulz war bis 1392 Mutterkirche für Wildberg, ihre heutige Form stammt noch aus dem elften Jahrhundert, der Chor hat gotisches Netzgewölbe und das Kirchenschiff eine im Barockstil gemalte Kassettendecke.Seit über 700 Jahren ist in Wildberg die Schäferei zuhause und die Schäfer mit ihren Herden sind heute im Stadtbild genau so gegenwärtig wie vor Jahrhunderten.

Schäferlauf

Schäferlauf

1723 brachte für das Städtchen in Sachen Schäferei einen entscheidenden Durchbruch. Der damalige Landsherr Herzog Eberhard Ludwig zu Württemberg errichtete für die Besorgung berufsständiger Anliegen der Schäfer eine sogenannte Nebenlade zur Hauptlade in Markgröningen.

Alle zwei Jahre wird seit dieser Zeit der Schäferlauf abgehalten. Als eines der wenigen historischen Heimatfeste des Schwarzwalds feiern wir ihn gern mit unseren Gästen.

Der Schäferlauf findet immer am dritten Juli-Wochenende in den geraden Jahren statt.