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Grenzsteine Sulz am Eck

Die Geschichte der Grenzsteine

Da der Mensch schon immer bestrebt war, seinen Besitz an Grund und Boden gegen andere genau abzugrenzen, wurden besondere Zeichen verwendet, die den Grenzverlauf einwandfrei markierten (daher der Begriff „Markung“).

Es gibt verschiedene Grenzen, z.B. Landes- und Herrschaftsgrenzen, Eigentums- und Gemarkungsgrenzen, sowie Jagd-, Weide-, und Fischereigrenzen. Oft wurden natürliche landschaftliche Gegebenheiten als Landmarken verwendet, so etwa Bergrücken, Wege, Gräben, Fluß- oder Bachläufe. Ab dem Spätmittelalter wird wegen der zunehmenden Bevölkerungsdichte damit begonnen, die Grenzverläufe nicht mehr nur mit natürlichen Marken festzulegen, sondern es werden Steine gesetzt. Die Gebiete werden kleiner. 

Als Material für die Grenzsteine wird meist die in der jeweiligen Gegend vorkommende Gesteinsart gewählt. In Sulz am Eck kommen der Kalkstein sowie der Buntsandstein vor. In Steinbrüchen wurde (und wird) Kalkstein gebrochen, ebenso gab es Buntsandsteinbrüche, in denen die Steine für die Marksteine gebrochen wurden, da dieser leichter zu bearbeiten war. 

Sehen alle Grenzsteine gleich aus?

Der Querschnitt eines Grenzsteines ist quadratisch oder rechteckig, so dass er gewöhnlich vier gerade Seiten aufweist.

Der obere Teil heißt „Kopf“, der oft gewölbt ist, aber auch geradlinig oder spitz verlaufen kann. Auf der Kopfoberseite ist eine Kerbe oder kleine Rinne eingehauen, die den genauen Verlauf der Grenze aufzeigt. In Winkelform deuten sie ein Abknicken der Grenze an.

Der untere, grob behauene Teil des Grenzsteines heißt „Fuß“ und wird in die Erde eingegraben. Zwischen Kopf und Fuß befinden sich die meist glatt behauenen Seiten.

Die langen Seiten eines rechteckigen Steines verlaufen immer parallel zur Grenzlinie.

An seinen behauenen Seiten finden sich zum Teil Ortszeichen (Buchstaben), Nummern (fortlaufend), Wappen und oftmals eine Jahreszahlen, welche die Setzung des Steins anzeigt.

Das Setzen der Grenzsteine

Das Setzen der Grenzsteine, das „Verzeugen“, war eine verantwortungsvolle und wichtige Aufgabe. Sie wurde nur besonders ausgewählten und vertrauenswürdigen Personen, die unter Eid standen, übertragen. Diese wurden „Untergänger“ genannt. Beim Festlegen des Grenzortes mussten alle Angrenzer anwesend sein. Wenn der Standort feststand und das Loch ausgehoben war, mussten sich alle Teilnehmer, bis auf den, der den Stein setzte, umdrehen und durften der eigentlichen Steinsetzung nicht zusehen. Dies deshalb, da wegen unbefugten Versetzens oder Entfernen der Steine sogenannte „Zeugensteine“ in das Loch oder neben den Grenzstein gelegt wurden, bevor dieser eingegraben wurde. Diese Zeugen hatten aus haltbarem Material zu sein, weshalb man oft Scherben, Ziegel oder eigens dafür hergestellte Plättchen aus gebranntem Ton, Glas oder Porzellan nahm. Beim Setzen eines Grenzsteines wurden die natürlichen Zeugensteine zerschlagen. Zeugenkraft hatten die Bruchstücke aber nur, wenn sie genau aneinander paßten.

Künstliche Zeugen wurden nicht zerschlagen.

Untergänger und Untergangsprotokolle

Die Abmarkung der Grenzen, ihre Instandhaltung und die Entscheidung über Grenzstreitigkeiten waren schon von alters her Aufgaben der Gemeinde.  Hierzu wurde die Lage der Grenzsteine in regelmäßigen Abständen in Grenzumgängen, sogenannten „Untergängen“ kontrolliert (meistens alle 3 Jahre).

Dies wurde von einer Kommission von unparteiischen, orts-, und sachkundigen Männern, die hohes Ansehen in der Gemeinde besaßen, dem sogenannten „Untergangsgericht“, vorgenommen und alles akribisch notiert. Meistens war es der „Schultheiss“ (Bürgermeister) und einige Gemeinderatsmitglieder. Sie wurden ihrer Zahl nach auch „Vierer“, Fünfer“ oder „Siebener“ genannt. Solche Grenzumgänge wurden genauestens in sogenannten Untergangsprotokollen festgehalten worden.  

Diese Kommission wurde auch bei Grenzstreitigkeiten einberufen.

Diese „versteinten“ Grenzen wurden sorgfältig in Forst-, Stein-, oder Lagerbüchern, Protokollen oder Grenzsteinverzeichnissen festgehalten. Solche „Untergangsprotokolle“ sind in Sulz am Eck noch aus den Jahren 1549 und 1793 vorhanden.

Seit dem 19. Jahrhundert können Grenzverläufe durch neue Vermessungstechniken in Karten präzise erfasst werden. Diese gelten als verbindliche Dokumente für den rechtmäßigen Grenzverlauf.

Grenzfrevler

Natürlich wurde (und wird) von den Menschen immer wieder versucht, ihren Grund und Boden zu vermehren, indem man die Grenzsteine „verrückt“, beschädigt oder entfernt. „Manchmal wurden auch die „Grombiara“ (Kartoffeln) so groß, dass sie die Marksteine „‘nausdrückten“!!! (also kein Verschulden der Bauern, sondern höhere Gewalt, oder ?!!). Hiermit machte (und macht) man sich allerdings strafbar, da Grenzen als unantastbar gelten und dies schwer bestraft wurde.

Geschützt wurden die Steine allerdings durch den Volksglauben. So vermitteln heute noch zahlreiche Sagen über Grenzfrevler einen Eindruck von der tiefen Bedeutung der unantastbaren Grenzen. Fast jeder Ort kennt Sagen, nach denen ein Frevler seine Verfehlung büßen muss, indem er nach seinem Tod im Jenseits keinen Frieden findet und des Nachts mit einem Markstein ruhelos umherirren muss, ohne den tatsächlichen Standort des Steins wiederzufinden.

Grenzsteine sind gefährdete Kleindenkmale!

Grenzsteine waren schon immer gefährdet, aber durch die neuen Vermessungstechniken gerieten sie immer mehr in Vergessenheit. Durch Veränderungen in der Landschaft wie Flurbereinigungen, landwirtschaftliche Nutzung, Waldrodungen etc. wurden immer wieder Grenzsteine entfernt.

Heute sind die Steine durch das Landesvermessungsgesetz und das Denkmalschutzgesetz wegen ihrer vermessungsgeschichtlichen sowie heimatgeschichtlichen Bedeutung besonders geschützt!     

Bei der Erfassung aller Sulzer Grenzsteine wurden Steine gefunden, die herausgerissen oder abgebrochen waren. Um diese zu schützen, wurden sie gesammelt und zu ihrem Erhalt vor dem Friedhof in Sulz am Eck aufgestellt.

Die Sulzer Markungsgrenze stößt an sechs andere Gemarkungsgrenzen. Im Einzelnen sind das Deckenpfronn, Oberjesingen, Kuppingen und Oberjettingen. Diese Grenzlinie ist nicht nur Gemeinde- bzw. Stadtgebietsgrenze, sie ist auch zugleich Landkreisgrenze (Calw – Böblingen) und Regierungsbezirksgrenze (Karlsruhe – Stuttgart). Weiterhin grenzt Sulz an die Gemeindegrenzen von Wildberg und Gültlingen.

Außerdem stehen im Grenzsteingarten noch Steine der Sulzer Kirchengemeinde sowie des ehemaligen Klosters Reuthin. Auf der Sulzer Seite der Steine ist meist ein „S“ eingemeißelt, oftmals auch seitenverkehrt. (Warum, ist nicht bekannt) Von den Grenzen zu Gültlingen und Deckenpfronn sind keine Steine im Grenzsteingarten aufgestellt, da die Deckenpfronner Steine alle verschwunden sind (Grenze sehr kurz) und die Gültlinger Steine noch an ihrem angestammten Platz stehen.